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InhaltPunktuelle Musik
| Punktuelle MusikHintergründeEin Konzept zur Punktuellen Musik wurde zuerst von Pierre Boulez 1954 als Text veröffentlicht ("Recherches maintenant", 1954), der betreffende Stockhausen-Artikel „Zur Situation des Handwerks“ von 1952 blieb bis 1963 unveröffentlicht. Boulez schreibt später:„Dennoch, einem Übermaß an Arithmetik zum Trotz hatten wir eine gewisse ‚Punktualität‘ des Klanges erreicht, worunter ich buchstäblich den Schnittpunkt verschiedener funktionaler Möglichkeiten in einem Punkt verstehe. Was hat dieser ‚punktuelle‘ Stil gebracht? Die gerechtfertigte Ablehnung des Thematizismus.“ Die Bezeichnung beschreibt eine Musik, „deren Strukturen sich vorwiegend von Ton zu Ton vollziehen, ohne dass herkömmliche vertikale (Klänge) oder horizontale (melodische) 'Gestalten' wahrnehmbar werden sollten." Die Idee von Musik als 'Raum', oder 'Gas' statt als Körper im Raum sollte verwirklicht werden. Die Tonpunkte sollten (in diesem oder jenem Konzept) im Raum sein oder sogar den Raum selbst markieren (den Raum dazwischen) – etwa vergleichbar mit verschieden großen und farbigen Perlen (s. Hermann Hesses Einfluss auf Karlheinz Stockhausen) unterschiedlicher Materialien, die in einer Drahtskulptur nach ganz bestimmten Gesetzen (die sich auf jene Qualitäten-Kombinationen beziehen) alle im gleichen räumlichen Abstand zueinander angeordnet sind (denn es soll ja keine Gewichtung mehr zwischen Laut und Leise, Hoch und Tief usw. mehr bestehen). Und auch der einzelne Ton als 'Punkt' (also der ideelle Punkt, der sein Pendant im ideellen, unendlich kleinen 'Nu' oder 'Augenblick' hat) sollte darstellbar werden. Dabei wurde vor allem auch die Dauer eines Tons nur noch eine Qualität wie andere auch (Lautstärke, Farbe, Höhe usw.). Die Tondauer sollte nicht mehr in einem metrisch-proportionalen Verhältnissystem (Hebungs-Senkungs-System) aufgefasst werden, sondern 'entzeitlicht' und 'enträumlicht'. Der 'Punkt' trat an die Stelle des 'Motivs' oder der 'Gestalt' und war nun selbst das eigentliche Objekt. Seine 'Gestalt' war nicht mehr in sukzessiven Tonbeziehungen gegeben, sondern setzte sich aus der Beziehung gleichzeitiger und unverwechselbarer Parameterqualitäten in einem einzelnen Ton, in einem einzigen Moment zusammen. Es ist vergleichbar mit dem Gehen durch eine Galerie: Man tritt vor dieses Bild, dann vor jenes ... Karlheinz Stockhausen fordert hierzu eine „aufmerksame Passivität“ – Nur so könne sich die (tatsächlich sehr strenge serielle) Ordnung des Ganzen Satzes von 'Punkte' (1952/53) erschließen. Und dies (wohl) auch ohnehin nur sublim, also ohne 'rationales Aha-Erlebnis'. Allerdings ist vor allem die Forderung nach der Eliminierung vertikaler (simultaner) Tonbeziehungen hier strittig, da der Einzelton recht unsystematisch mit unterschiedlichen spektralen 'Farben' versehen ist, die ja aus akustischer Sicht 'Akkorde' also Simultanbeziehungen von (Sinus-)Tönen sind. Im Englischen und Französischen kam es zu Verständnisproblemen, da der Begriff auch als pointillism bzw. musique pointilliste übersetzt wurde, der Malstil des Pointillismus aber nichts mit der Punktuellen Musik zu tun hat.
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