Kubische Gleichung
Die allgemeine Gleichung dritten Grades
ax3
+ bx2
+ cx + d = 0 mit reellen Zahlen a, b, c, d und  kann durch Division mit a und Substitution mit  in die Form
y3
+ py + q = 0 gebracht werden, wobei
und
gilt.
Es sei D = 4p3
+ 27q2
die Diskriminante der linken Seite.
Das Lösungsverhalten hängt nun entscheidend vom Vorzeichen der Diskriminante ab:
- D > 0: Es gibt genau eine reelle Lösung und zwei echt komplexe Lösungen.
- D = 0: Es gibt entweder eine doppelte reelle Lösung und eine einfache reelle Lösung oder eine dreifache reelle Lösung.
- D < 0: Es gibt drei verschiedene reelle Lösungen.
D > 0
Es gibt genau eine reelle Lösung, die durch
gegeben ist. (Ist dabei eine dritte Wurzel aus einer negativen Zahl zu ziehen, so ist die negative und nicht eine der beiden echt komplexen Wurzeln zu wählen, d.h.  .)
Die anderen beiden, echt komplexen Lösungen sind im Fall  die Lösungen der quadratischen Gleichung
im Spezialfall q = 0 sind die anderen beiden Lösungen
Alternativ kann man die komplexen Lösungen auch direkt angeben: Es sei
eine dritte Einheitswurzel. Dann sind die Lösungen:
D = 0
In diesem Fall gibt es eine doppelte reelle Lösung
und eine einfache Lösung
Ist p = q = 0, so ist y = 0 die einzige (dreifache) Lösung.
D < 0 (casus irreducibilis)
Es gibt drei verschiedene reelle Lösungen, bei ihrer Bestimmung mit der obigen Formel müssen jedoch dritten Wurzeln aus echt komplexen Zahlen berechnet werden. Deshalb wird dieser Fall casus irreducibilis genannt.
Mithilfe der trigonometrischen Funktionen können die Wurzeln jedoch berechnet werden:
Cardanische Formeln
Die obigen Formeln tragen den Namen Cardanischen Formeln. Sie wurden, zusammen mit Lösungsformeln für biquadratische Gleichungen (Gleichungen 4. Grades), erstmals 1545 von dem Mathematiker Gerolamo Cardano in seinem Buch Ars magna veröffentlicht. Entdeckt wurde die Lösungsformel für kubische Gleichungen von Tartaglia; laut Cardano sogar noch früher durch Scipione del Ferro.
Die Cardanischen Formeln waren eine wichtige Motivation für die Einführung der komplexen Zahlen, da man im Fall des casus irreducibilis durch das Ziehen einer Quadratwurzel aus einer negativen Zahl zu reellen Lösungen gelangen kann.
Die Cardanischen Formeln besitzen bei der numerischen Lösung von Gleichungen heute keine praktische Bedeutung mehr. Der Nachweis, dass es keine entsprechenden Formeln für Gleichungen fünften und höhreren Grades geben kann, hat allerdings die Entwicklung der Algebra entscheidend befruchtet (siehe Galoistheorie).
Komplexe Koeffizienten
Das Vorgehen ist für komplexe Koeffizienten weitgehend analog, es gibt aber nur zwei Fälle:
 : Die oben für den Fall D > 0 angegebenen Formeln gelten analog; die beiden dritten Wurzeln sind dabei so zu wählen, dass ihr Produkt - p/3 ergibt.
- D = 0: Die oben für den Fall D = 0 angegebenen Formeln gelten unverändert.
Literatur
- Jörg Bewersdorff: Algebra für Einsteiger: Von der Gleichungsauflösung zur Galois-Theorie, Wiesbaden 2004, ISBN 3528131926
- Heinrich Dörrie: Kubische und biquadratische Gleichungen, München 1948
- Ludwig Matthiessen: Grundzüge der antiken und modernen Algebra der litteralen Gleichungen, Leipzig 1896
Man darf nicht das, was uns unwahrscheinlich und unnatürlich erscheint, mit dem verwechseln, was absolut unmöglich ist.
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