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InhaltIndustrielle Revolution
| Industrielle RevolutionRezeptions- und DeutungsaspekteEine Vielzahl unterschiedlicher Deutungsakzente im Hinblick auf Entstehungsbedingungen, Triebkräfte sowie räumliche und zeitliche Erstreckung der Industriellen Revolution lässt erkennen, dass man in den Geschichts- und Sozialwissenschaften zu keiner einheitlichen Sicht auf dieses historische Geschehen gelangt ist. Unter den diversen wissenschaftlichen Schulen werden etwa folgende Betrachtungs- und Forschungsschwerpunkte der Industriellen Revolution in Großbritannien unterschieden:
Dabei zeigt sich für Osterhammel, dass die neueren Forschungskontroversen gegenüber den älteren, sozusagen klassischen Konzepten kaum grundsätzlich Neues erschlossen haben. Als kritisch zu prüfende Orientierungsgrundlagen fungieren demnach weiterhin zum Beispiel die marxistische Lesart der Industrialisierung als Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus durch Akkumulation und Konzentration des Kapitals, die Theorie vom zyklisch strukturierten Wachstumsprozess einer kapitalistischen Weltwirtschaft mit wechselnden Leitsektoren nach Kondratjew und Schumpeter, das Fünf-Stadien-Modell einer industriellen Transformation nach Rostow samt dem , das als wichtigstes den Übergang zu einem „exponentiellen“ Wachstum markiert. Es bleibt die Erkenntnis: Zu den jüngeren Forschungsergebnissen, die eine veränderte Sichtweise nahe legen, zählt die Erkenntnis, dass das Wachstum der englischen Wirtschaft bis in die 1820er-Jahre langsamer verlief, als früher angenommen und als es in dem Begriff der Industriellen Revolution zum Ausdruck kommt. Dennoch habe diese Bezeichnung ihre Berechtigung, so Osterhammel: Für die frühere Überschätzung der frühindustriellen englischen Wachstumsraten wird die gleichzeitige Unterschätzung des durch handwerkliche Produktion und kleingewerbliche Protoindustrie erzeugten Wachstums in den Jahrzehnten vor und um die Mitte des 18. Jahrhunderts zur Erklärung herangezogen. „Da das Ausgangsniveau des Bruttosozialprodukts in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts demzufolge höher war, als bisher angenommen, konnte das Wachstum nicht so rasant gewesen sein, wie es die älteren Arbeiten noch angenommen hatten. Man geht deshalb von einer graduellen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums aus.“ Condrau allerdings zweifelt mit anderen, dass man mit Hilfe von Daten des 18. Jahrhunderts moderne volkswirtschaftliche Indikatoren überhaupt ableiten kann. Die von Berg und Hudson entwickelten qualitativen Kriterien für den Revolutionsbegriff, die sie aus den Zeugnissen Robert Owens und anderer Zeitgenossen ableiten, erscheinen wiederum auch ihm plausibel. Ein anderes qualitatives Merkmal hat Max Weber an der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hervorgehoben, indem er die rationale Lebensführung auf der Grundlage der „Berufsidee“ als einen der konstitutiven Bestandteile „des modernen kapitalistischen Geistes“ bezeichnete:
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