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InhaltFläming
| FlämingKulturgüter und KulturgeschichteNeben den in diesem Kapitel beschriebenen Stadt- und Dorfkernen, Burgen, Schlössern und Feldsteinkirchen gehören auch Mühlen oder Glashütten zu den bedeutenden Kulturgütern des Flämings. Diese und weitere technische Denkmäler sind im Kapitel „Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte“ angeführt. Land der ReformationLutherstadt Wittenberg zur Zeit der Reformation mit dem Fläming im HintergrundDie weltberühmten Reformationsstätten in der Altstadt Wittenbergs,das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Stadt- und Schlosskirche sind als Luthergedenkstätten seit 1996 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Doch nicht nur die Wirkungsstätten Martin Luthers und Philipp Melanchthons weisen den Fläming als frühen Drehort der Reformation aus. Schauplatz der Entwicklungen waren beispielsweise auch Jüterbog im Kanzelkrieg und bei den Jüterboger Religionsgesprächen oder der Golmberg. Beim Überfall in der Golmheide entriss Hans von Hake, der im Schloss zu Stülpe saß, dem päpstlichen Ablasshändler Johann Tetzel seine Geldkassette (Tetzelkasten) mit der höhnischen Bemerkung, schließlich habe er sich zuvor mit einem Ablassbrief von dieser Untat freigekauft. Wenn dieses Ereignis auch sehr wahrscheinlich in das Reich der Legende gehört, da Hans von Hake erst 1537 das Schloss Stülpe kaufte, erinnert noch heute die Tetzeleiche an diese oft erzählte und auch von Fontane und Willibald Alexis wiedergegebene Geschichte.
Tetzels Jüterboger Satz Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel springt beantwortete Luther 1517 mit den 95 Thesen, die Tetzel anschließend in Jüterbog öffentlich verbrannte. Im „Kanzelkrieg“ von 1519 bekam Franz Günther, der erste Theologe, der unter Luther promoviert hatte, in Jüterbog Redeverbot und wurde durch Thomas Müntzer ersetzt, den die Jüterboger Franziskaner in einer Anzeige beim Brandenburger Bischof erstmals in der deutschen Sprache als „Lutheraner“ bezeichneten. 1547 plünderten Spanische Soldaten im Rahmen des Schmalkaldischen Krieges Dörfer im Niederen Fläming aus. Ein Jahr später 1548 fanden die Jüterboger Religionsgespräche unter Teilnahme Philipp Melanchthons statt. Im Folgejahr berieten Moritz von Sachsen, Joachim II. von Brandenburg, Georg III. von Anhalt, Melanchthon, Agricola und andere an gleicher Stelle, was mit gutem Gewissen den Papisten könne nachgegeben werden, um Beschwerung zu vermeiden. Neben Luther und Melanchthon waren viele weitere bedeutende Köpfe aus der Region an der Erneuerungsbewegung des Christentums beteiligt. Der Politiker und sächsische Kanzler Gregor Brück beispielsweise, der sogenannte Reformationskanzler, begleitete die Wittenberger Bewegung von 1521, die als Ausgangspunkt zur Ausbreitung der Reformation gilt und wurde zu einem der engsten Berater Luthers und Melanchthons. Der in Dahme gebürtige Theologe Georg Buchholzer unterstützte den Kurfürsten Joachim II. bei der Durchführung der Reformation in Brandenburg. Zudem wirkte er 1540 bei der Ausarbeitung der Brandenburgischen Kirchenordnung mit. Ein weiterer bedeutender Gelehrter war der 1499 in Ziesar am Flämingrand geborene Johannes Aepinus, über den Valentin Ernst Löscher 1719 urteilte: Ein großer Mann zu seiner Zeit, und einer von den besten und treuesten Werkzeugen der Reformation. Neben den Zeugnissen in der Lutherstadt Wittenberg erinnern Tetzelkästen in Jüterbog und Dahme an die Zeit. In Bad Belzig befindet sich über dem Turmportal ein Stein, der auf eine Predigt Luthers im Jahr 1530 hinweist. Auch die Stadt Zerbst, die erste reformierte Stadt nach Wittenberg, besuchte Luther mehrfach. Unter der Lutherlinde vor der Treuenbrietzener Marienkirche soll Luther angeblich gepredigt haben, als ihm die Kirche verschlossen blieb. Die nebenstehenden Porträts von Brück, Melanchthon und Luther zeichnete sämtlich der Maler Lucas Cranach der Ältere, der gleichfalls zur Reformationszeit in Wittenberg lebte und Luther und Melanchthon freundschaftlich verbunden war. In seiner Druckerei im Cranachhof hatte er unter anderem die 95 Thesen, den ersten Teil der Lutherbibel, Luthers Tischreden und zahlreiche Holzschnitte gedruckt. Die in Wittenberg versammelten Erneuerer des Christentums blieben bei allem neuen Denken in vielen Fragen dem Geist des 16. Jahrhunderts verhaftet und gingen nicht so weit, beispielsweise die jahrhundertealten antijudaistischen Vorurteile abzulegen oder den Druck der Wittenberger Judensau zu verhindern. Ganz im Gegenteil griff Luther den Begriff auf und verhöhnte in seiner Schmähschrift von 1546 die rabbinische Schriftexegese und den jüdischen Glauben. Luthers Judenfeindlichkeit gipfelte in antijudaistischen Pamphleten und Sätzen wie Wenn ich könnte, wo würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren. Und wenn sich Luther auch nicht selbst als Hexenjäger betätigte, so glaubte er ebenso wie Johannes Calvin an die Möglichkeit des Teufelspaktes oder die Teufelsbuhlschaft und befürwortete die Todesstrafe für vermeintliche Schadenszauberei.
Amtshaus Seyda von 1605
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