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Inhalt

Deutsches Kaiserreich

Vorgeschichte

Reichsgründung

Struktur des Reiches

  

Geografisch-politische Lage in Mitteleuropa/ Symbole des Reiches

  

Verfassung

  

Machtzentren des Reiches

  

Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft

  

Konfessionen und nationale Minderheiten

  

Wandel und Entwicklung der politischen Kultur

Ära Bismarck

  

Gründerjahre und Gründerkrise 1873

  

Politik nach der Wende von 1878/1879

  

Bündnisse und Außenpolitik

Dreikaiserjahr 1888

Wilhelminisches Reich

  

Ende der Ära Bismarck 1890

  

„Der neue Kurs“ und die Amtszeit von Leo von Caprivi

  

Kanzler des Übergangs und „persönliches Regiment“

  

Ära von Bülow

  

Vorabend des Ersten Weltkrieges

Erster Weltkrieg

  

Kriegsverlauf

  

Innere Entwicklung

Das Kaiserreich in der Historiografie

Reichskanzler des Deutschen Kaiserreiches/ Siehe auch

Literatur

Weblinks/ Einzelnachweise

 

 

Deutsches Kaiserreich

Deutsches Reich
1871–1918
Wappen des Deutschen Reiches 1888–1918
Flagge Wappen
verweis=Norddeutscher Bund
Navigation
verweis=Weimarer Republik
Verfassung Verfassung des Deutschen Reichs vom 16. April 1871
Amtssprache Deutsch
Hauptstadt Berlin
Regierungsform Konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt
– 1871 bis 1888
– 1888
– 1888 bis 1918
Kaiser
Wilhelm I.
Friedrich III.
Wilhelm II.
Regierungschef
– 1871 bis 1890
– 1890 bis 1894
– 1894 bis 1900
– 1900 bis 1909
– 1909 bis 1917
– 1917
– 1917 bis 1918
– 1918
Reichskanzler
Fürst Otto von Bismarck
Graf Leo von Caprivi
Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
Fürst Bernhard von Bülow
Theobald von Bethmann Hollweg
Georg Michaelis
Graf Georg von Hertling
Prinz Max von Baden
Fläche
– 1910

540.858 km²
Einwohnerzahl
– 1871 (1. Dez.)
– 1890 (1. Dez.)
– 1910 (1. Dez.)

41.058.792
49.428.470
64.925.993
Bevölkerungsdichte
– 1871
– 1890
– 1910

76 Einwohner pro km²
91 Einwohner pro km²
120 Einwohner pro km²
Währung 1 Mark = 100 Pfennig
Gründung
– 1. Januar 1871
– 18. Januar 1871

Inkrafttreten der Novemberverträge
Proklamation
Nationalhymne Keine.
Kaiserhymne: Heil dir im Siegerkranz
Nationalfeiertag inoffiziell am 2. September (Sedantag)
Karte
Karte des Deutschen Reichs

Das Deutsche Kaiserreich war eine bundesstaatlich organisierte, am monarchischen Prinzip ausgerichtete konstitutionelle Monarchie. Es bestand von 1871 bis 1918.

Die deutsche Reichsgründung erfolgte mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles. Vorangegangen war der Sieg des Norddeutschen Bundes und der mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten im Deutsch-Französischen Krieg. Auf kleindeutscher Grundlage und unter der Herrschaft der preußischen Hohenzollern war damit erstmals ein deutscher Nationalstaat entstanden.

Als partizipatorische Elemente gab es einen nach allgemeinem Wahlrecht (allerdings nur für Männer) gewählten Reichstag und Parteien. Allerdings bedurften Gesetze auch der Zustimmung des Bundesrats, in dem Preußen den Ton angab. Wie in vielen anderen Monarchien wurde der Regierungschef – der Reichskanzler – vom Monarchen ernannt. Den Parteien gelang es nicht, entscheidenden Einfluss auf die Auswahl des Regierungschefs zu erlangen.

Während der Zeit des Kaiserreichs war Deutschland wirtschafts- und sozialgeschichtlich geprägt durch die Hochindustrialisierung. Ökonomisch und sozial-strukturell wandelte es sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vom Agrarstaat zum Industrieland. Auch der Dienstleistungssektor gewann mit dem Ausbau des Handels und des Bankwesens wachsende Bedeutung. Das auch durch die französischen Kriegsreparationen nach 1871 verursachte Wirtschaftswachstum wurde durch den sogenannten Gründerkrach von 1873 und die ihm folgende langjährige Konjunkturkrise zeitweilig gebremst. Trotz erheblicher politischer Folgen änderte dies nichts an der strukturellen Entwicklung hin zum Industriestaat.

Kennzeichnend für den gesellschaftlichen Wandel waren ein rapides Bevölkerungswachstum, Binnenwanderung und Urbanisierung. Die Gesellschaftsstruktur wurde durch die Zunahme der städtischen Arbeiterbevölkerung und – vor allem in den Jahren ab etwa 1890 – auch des neuen Mittelstandes aus Technikern, Angestellten, sowie kleinen und mittleren Beamten wesentlich verändert. Dagegen ging die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks und der Landwirtschaft – bezogen auf deren Beiträge zum Bruttosozialprodukt – eher zurück. Allerdings behielt der Adel sein hohes Sozialprestige und konnte weiterhin seine dominante Rolle beim Militär, in der Diplomatie und der höheren Zivilverwaltung behaupten.

Die innen- und außenpolitische Entwicklung wurde bis 1890 vom ersten und am längsten amtierenden Kanzler des Reiches, Otto von Bismarck, bestimmt. Dessen Regierungszeit lässt sich in eine relativ liberale Phase, geprägt von innenpolitischen Reformen und vom Kulturkampf, und eine eher konservativ geprägte Zeit nach 1878/79 einteilen. Als Zäsur gilt der Übergang zum Staatsinterventionismus (Schutzzoll, Sozialversicherung) und das Sozialistengesetz.


Bismarck versuchte außenpolitisch, das Reich durch ein komplexes Bündnissystem abzusichern. In seine Amtszeit fiel auch der – wenn auch erst später intensivierte – Einstieg in den überseeischen Imperialismus. Daraus folgten zunehmend internationale Interessenkonflikte mit anderen Kolonialmächten, insbesondere der Weltmacht Großbritannien.

Die Phase nach der Ära Bismarck wird oft als Wilhelminisches Zeitalter bezeichnet, weil Kaiser Wilhelm II. (ab 1888) nach der Entlassung Bismarcks persönlich in erheblichem Umfang Einfluss auf die Tagespolitik ausübte. Allerdings spielten daneben auch andere, teilweise konkurrierende Akteure eine wichtige Rolle. Sie beeinflussten die Entscheidungen des Kaisers und ließen sie oft widersprüchlich und unberechenbar erscheinen.

Durch den Aufstieg von Massenverbänden und -parteien sowie der wachsenden Bedeutung der Presse gewann zudem die öffentliche Meinung an Gewicht. Nicht zuletzt darum versuchte die Regierung mit einer imperialistischen Weltpolitik, einer antisozialdemokratischen Sammlungspolitik und einer populären Flottenrüstung ihren Rückhalt in der Bevölkerung zu erhöhen. Außenpolitisch führte Wilhelms Weltmachtstreben jedoch in die Isolation; durch diese Politik hat das Reich dazu beigetragen, die Gefahren eines großen Krieges zu erhöhen. Als dieser Erste Weltkrieg schließlich 1914 ausgelöst wurde, war das Reich in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt. Auch in der Innenpolitik gewann das Militär an Einfluss. Mit der zunehmenden Anzahl von Kriegstoten an den Fronten und der sozialen Not in der Heimat begann die Monarchie an Rückhalt zu verlieren.

Erst gegen Kriegsende kam es zu den Oktoberreformen 1918, die unter anderem bestimmten, dass der Reichskanzler das Vertrauen des Reichstages haben musste. Schon bald darauf wurde in der Novemberrevolution die Republik ausgerufen, und die verfassunggebende Nationalversammlung in Weimar konstituierte das Reich 1919 als parlamentarische Demokratie. Das heutige Deutschland ist völkerrechtlich mit dem Deutschen Reich des Jahres 1871 identisch, auch wenn sich Regierungsform und Staatsgebiet seither mehrmals geändert haben.

 

 

 

 

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