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InhaltAufklärung
| AufklärungZum Begriff und seiner VerwendungEpochenbildungDie Aufklärungsdiskussion des mittleren und späten 18. Jahrhunderts nahm vorausgehende Vorstellungen auf und veränderte sie: Deutlich setzte sie Diskussionen des Renaissance-Humanismus und der Reformation fort – jene beiden zentralen Auseinandersetzungen, die zwischen 1480 und 1550 das Mittelalter als vergangene Epoche definierten und von der Gegenwart eine Neuausrichtung forderten. Der Lichtmetaphorik bezüglich des „finsteren“ Mittelalters entsprach nun kontrastierend ein „helleres“ Zeitalter. Zwischen 1680 und 1720 ereignete sich eine weitere Wende mit der Querelle des Anciens et des Modernes, dem Streit der „Alten und der Neuen“: Hatte man im Humanismus und in der Renaissance noch eine Wiederbelebung der Antike gefordert, um dem Mittelalter zu entrinnen, so diskutierte man am Ende des 17. Jahrhunderts, ob die Moderne nicht eine ganz eigene Kultur hervorbringe – eine Zivilisation, die nicht nur dem Mittelalter, sondern auch der Antike überlegen sei. In den 1730er- und 1740er-Jahren bekämpfte die Aufklärung noch immer traditionelle und scholastische Gegenströmungen, nun aber im Bewusstsein, mit der gesamten Vergangenheit zu brechen und sich von hergebrachten Autoritäten zu lösen. Die Rede von einem Zeitalter der Aufklärung kommt in den 1740er-Jahren auf. Eine rückblickende Kontroverse, wie diese Epoche zu verstehen sei, ereignete sich in den letzten zwanzig Jahren des 18. Jahrhunderts. Eine geschlossene Theorie der Aufklärung kam nicht zustande – eher eine Aufklärungsdiskussion zwischen Gruppen, die das Wort für sich beanspruchten, sich von ihm distanzierten oder einander das Recht absprachen, in der Tradition der Aufklärung zu stehen. Grundgedanken wie die Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen, wie sie in die Formulierung der Verfassung der Vereinigten Staaten einflossen, wurden von einzelnen Autoren der Aufklärung wie Burke oder Mendelssohn kritisch betrachtet. Die historischen Eckdaten der Epoche sind je nach Fachgebiet verschieden. Ein relativ eng gefasster Begriff von Aufklärung besteht in der Germanistik, die Gottsched und Lessing als die zentralen Vertreter der Epoche begreift und diese vom Barock und dem 17. Jahrhundert absetzt. Forscher wie Werner Krauss stellten der Hauptphase eine Frühaufklärung voran, die ins 17. Jahrhundert zurückreicht, und setzten eine Spätaufklärung vor 1800 an. In jüngerer Zeit hat etwa Jürgen Osterhammel das Zeitalter der Aufklärung im Zeitraum zwischen 1680 und 1830 verortet. In der breiteren internationalen Forschung setzte sich demgegenüber ein Interesse an „Diskursen der Aufklärung“ in der frühen Neuzeit durch, also etwa zwischen 1500 und 1800. In jüngster Zeit wurde das 17. Jahrhundert als Phase eigenständiger radikaler und subversiver Denkbewegungen entdeckt. Nach wie vor wird der Schwerpunkt der Aufklärung zwischen 1750 und 1780 gesehen. Die Definition einer „Epoche“ der Aufklärung bleibt aber heikel, da vieles sich seinerzeit im Übergang befand. Die Klarheit und Ordnung der Barockmusik, die von Zeitgenossen durchaus als solche empfunden wurde, geriet nach 1800 in Verruf; die Fuge als ihr kombinatorischer Höhepunkt wurde von Hector Berlioz als barbarisches Chaos hingestellt, während Mozart sie noch bewundert und nachgeahmt hatte. Ähnlich ergebnislos wurde diskutiert, ob die „Empfindsamkeit“ eine emotionale Seite der Aufklärung sei oder eine Gegenströmung – auch hier werden Begriffe erst dann problematisch, wenn sie als voneinander abgrenzbare Epochenbegriffe benutzt werden. In der Forschung werden solche Konflikte entschärft, indem man schlicht von der „frühen Neuzeit“ oder dem „18. Jahrhundert“ spricht und zusätzliche Epochensetzungen meidet.
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